Aktionstag „Lebensraum Golfplatz“: Wenn Sport und Naturschutz zusammenfinden
Was haben ein Golfplatz, ein Nistkasten, ein Lesesteinhaufen und ein kleiner Seedball gemeinsam? Sie alle können Lebensraum schaffen und dazu beitragen, die Natur vor Ort zu erhalten. Beim Aktionstag „Lebensraum Golfplatz“ im Golfclub Sieben-Berge Rheden erlebten 18 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren, wie vielfältig die Natur auf einem Golfplatz sein kann – und dass sie selbst etwas für Tiere und Pflanzen tun können.
Unterstützt von zehn Helferinnen und Helfern wurde rund fünfeinhalb Stunden lang entdeckt, gebaut, gespielt und ausprobiert. Dabei waren sowohl golfspielende als auch nicht golfspielende Kinder dabei. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie lassen sich Sport und Naturschutz miteinander verbinden?
Nach der Begrüßung und einem Kennenlernspiel ging es zunächst gemeinsam über den Golfplatz. Dabei lernten die Kinder typische Aufgaben der Platzpflege
kennen und erfuhren, welche Pflanzen, Tiere und besonderen Lebensräume auf einem Golfplatz zu finden sind. Nebenbei hielten sie immer wieder Ausschau nach Tieren, verschiedenen Blättern und Pflanzen, lauschten nach Vögeln und entdeckten die vielen unterschiedlichen Farben und Spuren der Natur.
Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch bei unserem Greenkeeper Marcel in der Maschinenhalle. Dort bekamen die Kinder einen Einblick in die
Arbeit der Greenkeeper und durften sich sogar einmal auf die großen Maschinen setzen. Natürlich gab es dabei viele Fragen. Eine davon lautete: „Was siehst du so für Tiere?“
Die Antwort machte deutlich, wie vielfältig das Leben auf dem Golfplatz ist: Neben zahlreichen Vögeln und Insekten sind dort unter anderem Eichhörnchen unterwegs. Aber auch Füchse und Dachse gehören zu den tierischen Bewohnern des Golfplatzes.
Anschließend wurde selbst Hand angelegt. Mit vorbereiteten Materialien bauten die Kinder insgesamt 16 Nistkästen: acht Meisenkästen, fünf Kästen für
Höhlenbrüter und drei Schmetterlingskästen. Die Kästen wurden nicht nur sorgfältig zusammengebaut, sondern anschließend auch von den Kindern individuell angemalt. Beim Hämmern, Schrauben und Gestalten waren Geschick, Kreativität und Teamarbeit gefragt – und die Kinder machten toll mit.
Nach der Mittagspause teilten sich die Kinder in zwei Gruppen auf und machten sich an die nächsten Aufgaben. Eine davon war der Bau eines Lesesteinhaufens. Die dafür benötigten Steine hatten unsere Greenkeeper bereits wenige Tage zuvor vorbereitet und bereitgelegt. Und offenbar waren die neuen Lebensräume schon vorher interessant: Beim Bau entdeckten die Kinder gleich drei Mäuse, die sich zwischen den Steinen versteckt hatten. Hoffentlich finden sie auch im neu angelegten Lesesteinhaufen oder der angrenzenden Blühwiese wieder ein gemütliches Zuhause.
Außerdem stellten die Kinder selbst dutzende Seedballs aus Erde, Samen und Ton her. Die kleinen Kugeln durften mit nach Hause genommen werden und können dort nach dem Trocknen für neue Blühflächen sorgen. So konnte jedes Kind ein kleines Stück Naturschutz mit nach Hause nehmen.
Zum Ende des Aktionstages wurde es noch einmal spielerisch. Beim Trittsteinbiotop-Spiel erfuhren die Kinder, warum miteinander verbundene Lebensräume für Tiere so wichtig sind. Eine Hütchenreihe symbolisierte einen Wald, eine zweite einen weiteren Wald. Dazwischen lagen Trittsteine aus Pappe, auf denen verschiedene Biotope dargestellt waren – darunter Totholz, Blumenwiesen, Teiche und weitere Lebensräume.
Mit vielen Trittsteinen war die Aufgabe noch ziemlich einfach. Doch sobald Trittsteine weggenommen wurden oder der Abstand zwischen den beiden „Wäldern“ größer wurde, wurde der Weg deutlich schwieriger. Die Kinder erkannten schnell den Zusammenhang zur Natur: Wenn Lebensräume voneinander getrennt sind, wird es auch für Tiere schwieriger, von einem Lebensraum zum nächsten zu gelangen.
Besonders schön war die Erkenntnis, die die Kinder anschließend selbst formulierten: Sie hatten an diesem Tag Tieren ein Zuhause gebaut und damit gleichzeitig dabei geholfen, Wege zwischen verschiedenen Lebensräumen zu erleichtern – ganz ähnlich wie beim eigenen Trittsteinbiotop-Spiel.
Zum Abschluss gab es eine gemeinsame Reflexionsrunde. Jedes Kind konnte erzählen, was ihm an diesem Tag besonders gut gefallen hatte. Dabei wurde vor allem der Bau der Nistkästen immer wieder als persönliches Highlight genannt.
Und so bleibt von diesem Aktionstag einiges auf dem Golfplatz zurück: 16 selbst gebaute und gestaltete Nistkästen, ein neu angelegter Lesesteinhaufen und viele neue Eindrücke rund um die Natur. Die fertigen Nistkästen werden nun an unsere Nistkasten-Gruppe übergeben, damit sie auf dem Gelände des Golfplatzes aufgehängt werden können.
Auch für zu Hause gab es etwas mit auf den Weg. In den Geschenketüten fanden die Kinder unter anderem Buttons mit dem passenden Motto „Golfplatz? Da lebt was!“, Golfbälle mit Clublogo, kleine Entdeckerbücher, eine Seedball-Anleitung, Bleistifte und Samentüten sowie eine Einladung zum Schnuppertraining.
Der Aktionstag „Lebensraum Golfplatz“ wurde als J-Team Aktion vom Landessportbund Niedersachsen gefördert. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass Sport und Naturschutz kein Widerspruch sein müssen. Ein Golfplatz kann nicht nur ein Ort für Sport und Bewegung sein, sondern gleichzeitig vielfältige Lebensräume bieten und Natur erlebbar machen.
Und vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis des Tages: Ein Lebensraum entsteht nicht nur durch große Maßnahmen. Manchmal braucht es einen Nistkasten, einen Haufen Steine, ein paar Samen – und Kinder, die mit Begeisterung mit anpacken.

Svea Dörrie